Share the Post:

Eine Antwort

  1. Eine erste Erwähnung von Siedlungen im Bereich des heutigen Freiburg, der Wiehre, Zähringen und Herdern, findet sich in einem Dokument aus dem Jahr 1008. Um 1091 baut der Zähringer-Herzog Bertold II. das Castrum de Friburch (Ruine Leopoldsburg) auf dem Schlossberg. Der Siedlung der Dienstleute und Handwerker am Fuße des Berges verlieh Bertolds Sohn Konrad im Jahre 1120 das Markt- und Stadtrecht. An Stelle der inzwischen zu kleinen Kirche veranlasste Bertold V. um 1200 den großzügigen Bau des heutigen Münsters, der v. a. durch die Einkünfte der Silberminen im Schwarzwald finanziert wurde, die wesentlich zum Wohlstand der Freiburger Bürger beitrugen.

    Nach dem Aussterben der Zähringer übernahmen 1218 die Grafen von Urach die Herrschaft und nannten sich fortan die Grafen von Freiburg. Nach häufigeren Streitereien mit den Grafen um die Finanzen kaufte sich die Freiburger Bürgerschaft 1368 mit 20.000 Mark Silber von der Herrschaft des ungeliebten Egino III. los und unterstellte sich dem Schutz des Hauses Habsburg.
    Vier Habsburger Herrscher am Historischen Kaufhaus
    Im ältesten Rathaus Freiburgs, der Gerichtslaube, fand 1498 der Reichstag statt
    Meister N. J. W.: Freiburg im Breisgau, um 1580

    Freiburg musste den neuen Herrschern Kriegsleute stellen und Finanzhilfe leisten. In der Schlacht bei Sempach siegten die Schweizer Eidgenossen 1386 gegen den österreichischen Herzog Leopold III. und löschten dabei einen Großteil des Freiburger Adels aus. Die Zünfte beherrschten danach den Stadtrat. Freiburg war bis 1427 Reichsstadt. Als Herr der österreichischen Vorlande stiftete Erzherzog Albrecht 1457 die Freiburger Universität.

    Im Jahre 1498 hielt Maximilian I. Reichstag in Freiburg. Unter dem Zeichen des Bundschuhs erhoben sich in der gleichen Zeit die Bauern am Oberrhein, doch der Aufstand bei Freiburg unter Joß Fritz im Jahr 1513 wurde verraten. 1525 nahmen im Deutschen Bauernkrieg Bauern unter Führung von Hans Müller Freiburg ein und zwangen den Stadtrat, einer evangelisch-christlichen Vereinigung beizutreten. Als 1529 in Basel die Bilderstürmer den Protestantismus durchsetzten, flohen der Fürst der Wissenschaft Erasmus von Rotterdam und das Basler Domkapitel ins katholische Freiburg. Mit der Vollendung des Hochchors, der 1513 durch den Konstanzer Weihbischof geweiht wurde, war 1536 das Münster endgültig fertiggestellt.

    Kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1620 übernahmen die Jesuiten die Universität Freiburg. Im Jahre 1632 besetzten die Schweden unter General Horn die Stadt, die in den folgenden Jahren mehrmals den Besitzer wechselte. Eine kaiserlich-bayrische Armee unter den Generälen Franz von Mercy und Jan van Werth nahm 1644 Freiburg ein. Anschließend kam es zur Schlacht bei Freiburg zwischen den Bayern und französisch-weimarischen Truppen.

    In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es unter Ludwig XIV. immer wieder zu Übergriffen auf rechtsrheinisches Gebiet. Nach dem holländischen Krieg musste Kaiser Leopold I. 1679 im Frieden von Nimwegen die Stadt Freiburg samt Lehen sowie Betzenhausen und Kirchzarten der Krone Frankreichs überlassen. Nachdem Ludwig XIV. Sébastien Le Prestre de Vauban angewiesen hatte, die Stadt zu einer modernen Festung auszubauen, besuchte der König 1681 Freiburg, um den Fortschritt der Arbeiten persönlich zu begutachten. Er übernachtete im Basler Hof. Im Frieden von Rijswijk 1697 durfte Ludwig XIV. die im Elsass besetzten Gebiete einschließlich der freien Reichsstadt Straßburg behalten, musste aber Freiburg an die Habsburger zurückgeben. Gegen Ende des Spanischen Erbfolgekriegs besetzte Marschall Claude-Louis-Hector de Villars 1713 Freiburg erneut. Im zweiten österreichischen Erbfolgekrieg schlugen die Franzosen unter Marschall François de Franquetot die Österreicher bei Weißenburg (Elsass) (5. Juli 1744). Als die französischen Truppen Freiburg räumen mussten, zerstörten sie die Festungsanlagen gründlich. Lediglich das Breisacher Tor blieb als Teil der vaubanschen Bauten erhalten.
    Tafel am Martinstor zum Andenken an die im Krieg gegen die Revolutionsarmee gefallenen Bürgermilizen

    Französische Revolutionstruppen nahmen Freiburg 1796 ein. Nach drei Monaten befreite Erzherzog Karl die Stadt. Als der Herzog von Modena Herkules III. im Frieden von Campo Formio 1797 seine italienischen Besitzungen verlor, erhielt er vier Jahre später 1801 im Frieden von Lunéville als Kompensation den Breisgau. Herkules III. war mit diesem Tausch nicht einverstanden, da er seine Verluste nicht für ausreichend kompensiert erachtete. Deshalb suchte er den Breisgau nach 1801 nicht auf. Die Regierungsgeschäfte führte der Freiherr Hermann von Greiffenegg, der den Breisgau formal erst am 2. März 1803 für das Haus Este in Besitz nahm. Nach Herkules‘ Tod im Oktober 1803 fiel der Breisgau an seine ins Haus Habsburg eingeheiratete Tochter Maria Beatrice. Doch dieses modenisch-habsburgische Zwischenspiel dauerte nur kurz, denn 1805 verfügte Napoleon den Anfall des Breisgaus und der Ortenau an Baden, das kurze Zeit, von 1803 bis 1806, Kurfürstentum war. Die Schlussakte des Wiener Kongresses bestätigte 1815 den Verbleib Freiburgs beim Großherzogtum Baden.

    Im Jahr 1827 wurde Freiburg Sitz des neu gegründeten Erzbistums Freiburg. 1845 wurde die Bahnstrecke in Richtung Offenburg eröffnet. Die Revolution von 1848 entlud sich im Südwesten Deutschlands besonders heftig, obgleich Baden 1818 während der Restauration eine recht liberale Verfassung erhalten hatte. In Freiburg kam es zu blutigen Barrikadenkämpfen, an denen neben badischen Regierungstruppen hessische Verbände beteiligt waren.
    Freiburg um 1900

    Mit der Reichsgründung von 1871 nahm die Stadt am allgemeinen Wirtschaftsaufschwung in Deutschland teil. Unter Oberbürgermeister Otto Winterer erhielt Freiburg mit der Bebauung neuer Stadtteile im Stile des Historismus sein Gesicht. Schon ab 1901 fuhr eine elektrische Straßenbahn. Im Ersten Weltkrieg – das erste Mal am 14. Dezember 1914 – warf die französische Luftwaffe (sie war zu dieser Zeit führend) Bomben auf die unbewaffnete und offene Stadt Freiburg ab. Die deutsche Kriegsführung sah darin den Bruch der völkerrechtlichen Einschränkungen gemäß der Haager Landkriegsordnung; der Luftkrieg eskalierte nun auch immer mehr gegen zivile Ziele. Französische Flugzeuge und Luftschiffe warfen über Freiburg mehr Bomben ab als über jeder anderen deutschen Stadt.

    Die Rückkehr des Elsass zu Frankreich nach dem verlorenen Krieg traf Freiburg wirtschaftlich besonders hart.
    Luftbild der zerbombten Innenstadt mit dem trotz eines Feuersturmes weitgehend unversehrt gebliebenen Münster, nach dem Luftangriff im November 1944
    Mahnmal zur Erinnerung an die Deportation Freiburger Juden

    Zwei Reichskanzler in den Anfangsjahren der Weimarer Republik kommen aus Freiburg: Constantin Fehrenbach und Joseph Wirth.

    Wie überall im damaligen Deutschen Reich übernahmen 1933 die Nationalsozialisten in Freiburg die Macht. Unter dem Rektorat Martin Heideggers wurde die Universität gleichgeschaltet. 1938 ging in der Reichspogromnacht die Freiburger Synagoge in Flammen auf. 1940 wurden im Rahmen der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion die in Freiburg noch verbliebenen Juden mit einem Sammeltransport ins südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert.[8] Die Luftwaffe führte irrtümlich einen Bombenangriff auf Freiburg am 10. Mai 1940 durch, bei dem 57 Menschen ums Leben kamen.

    Unter dem Decknamen Operation Tigerfish bombardierte die britische Royal Air Force am Abend des 27. November 1944 die Stadt, wobei etwa 2800 Bürger getötet wurden. Nach dem Angriff erhob sich das relativ unbeschädigte Freiburger Münster aus den Trümmern der im nördlichen Teil vollkommen zerstörten Altstadt, doch hatten die starken Detonationswellen das Kirchenschiff abgedeckt. Mit neuen Ziegeln, die aus Basel gespendet wurden, konnte das Münster bis Januar 1946 wieder fast vollständig gedeckt werden.[9]

    Freiburg wurde im April 1945 von den Franzosen besetzt. Im Oktober hielt General de Gaulle in Freiburg eine Siegesparade ab. Infolge der Aufteilung Deutschlands in verschiedene Besatzungszonen wurde Freiburg 1946 die Landeshauptstadt des neugegründeten Bundeslandes Baden. Ministerpräsident war der gebürtige Freiburger Leo Wohleb, der im Colombischlössle residierte, während der Landtag im Historischen Kaufhaus tagte. Nach einer Volksabstimmung ging 1951 Südbaden – trotz des erbitterten Widerstands breiter Kreise der Bevölkerung – im Bundesland Baden-Württemberg auf.

    Die Studentenunruhen der späten 1960er Jahre fanden auch in Freiburg ihren Niederschlag. Das gewachsene politische Bewusstsein führte in den 1970er Jahren zur Beteiligung vieler Freiburger am erfolgreichen Widerstand der Kaiserstühler Bauern gegen das geplante Kernkraftwerk Wyhl. Im Gefolge dieser Ereignisse entwickelte sich in der Stadt eine starke autonome Szene und ein breites ökologisch orientiertes Spektrum. Freiburg wurde zu einer Hochburg der neu gegründeten Grünen und wird daher als Ökohauptstadt Deutschlands bezeichnet. Auch wissenschaftlich und wirtschaftlich entwickelte sich in Freiburg ein Klima, das der Stadt eine führende Rolle als Umweltstadt verschafft hat – sie trat bei der Expo 2010 in Shanghai als „green city“ auf.

    Freiburg wurde durch seine verkehrsgünstige Lage und die Hochschulen und Forschungseinrichtungen zunehmend eine beliebte Stadt für Kongresse, Messen und Tagungen, insbesondere durch das Konzerthaus Freiburg und die Messe Freiburg. Der internationale Städtetourismus spielt eine starke Rolle.

    1986 war die Stadt Gastgeber der siebten Landesgartenschau Baden-Württemberg, was für die Entwicklung der westlichen Stadtteile von großer Bedeutung war und zudem die Einrichtung der Ökostation zur Folge hatte. Ein starker Bevölkerungszuwachs forderte den Ausbau alter und die Errichtung neuer Wohngebiete. Auf einem von der französischen Garnison 1992 verlassenen Gelände der ehemaligen Vauban-/Schlageter-Kaserne entstand der international bekannte Stadtteil Vauban. 1993 erfolgte der Spatenstich zum neuen Stadtteil Rieselfeld.

    1996 überschritt die Stadt die Bevölkerungszahl von 200.000 Einwohnern. Darunter sind etwa 30.000 Studenten, die an der Universität und vier weiteren Hochschulen studieren.
    Der Flückigersee – ein Teil des ehemaligen Landesgartenschaugeländes

    Als Sitz des Erzbistums und von kirchlichen Einrichtungen wie des Deutscher Caritasverbandes ist Freiburg ein Zentrum der katholischen Kirche. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. 1978 fand in Freiburg der 85. Deutsche Katholikentag statt, an dem u. a. Mutter Teresa teilnahm. Am 24. und 25. September 2011 besuchte Papst Benedikt XVI. im Rahmen seines Deutschlandbesuches Freiburg. Der Pontifex feierte u. a. auf dem Flugplatz Freiburg eine Jugendvigil und am 25. September 2011 mit über 100.000 Gläubigen eine Eucharistie-Feier. Außerdem traf er Missbrauchsopfer, führte Gespräche mit Helmut Kohl, Verfassungsrichtern und dem Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und hielt eine ekklesiologisch ausgerichtete Rede vor 1.500 geladenen Gästen im Konzerthaus Freiburg.

    Durch seine Lage in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein und als Nachbarstadt u. a. von Straßburg bekommt Freiburg eine zunehmende Bedeutung für das Zusammenwachsen Europas. Die Stadt ist Sitz von Konsulaten und Honorarkonsulaten verschiedener europäischer Staaten. Das Regierungspräsidium Freiburg, die Stadtverwaltung, die Universität Freiburg und viele andere Einrichtungen arbeiten eng mit den Partnerorganisationen in den benachbarten Ländern Frankreich und der Schweiz zusammen. Als Stadt, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts (1677–1697) zum Königreich Frankreich gehörte und nach dem Zweiten Weltkrieg Standort einer großen Garnison der französischen Besatzungsmacht war, hat Freiburg seit jeher eine Vorreiterrolle in den Beziehungen zum Nachbarland. Freiburg arbeitet besonders eng mit den französischen Städten Mülhausen und Colmar zusammen. Franzosen spielen eine bedeutende Rolle als Arbeitskräfte und Kunden in der Wirtschaftsregion Freiburg. Wichtige Beiträge zu den kulturellen und politischen Beziehungen beider Staaten leisten das „Centre culturel francais“ (CCF) Conrad Schroeder und das Frankreich-Zentrum der Universität. 2001 und 2010 fanden in Freiburg deutsch-französische Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs statt. Auch mit der schweizerischen Nachbarstadt Basel bestehen seit jeher enge Beziehungen (s. Erasmus von Rotterdam und Basler Hof), die bis heute gepflegt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Related Posts